Es ist Ende August

Es ist Ende August. Vor über einem Monat waren meine Eltern und ich in Rom und Wien; Urlaub machen sozusagen. Dabei habe ich erkannt, dass mein Großes Latinum wirklich nichts mehr wert ist und ich außer den üblichen Vokabeln keinen eingemeißelten Satz verstehe. Dabei wäre das nun wirklich eine Chance gewesen, zumindest irgendwas aus dem Lateinunterricht im praktischen Leben anwenden zu können. Dafür habe ich mich wieder an Kunstmuseen herangetastet, denen ich vorher kaum Aufmerksamkeit schenkte. Vor allem rückten dabei Videoinstallationen in meinen Fokus – neben der Moderne wohlgemerkt. Erst ab dem Ende des 19. Jahrhundert wird es nämlich für mich wirklich interessant. So lief ich auch ganz aufgeregt durch das Albertina Museum in Wien, verlor auf der Suche nach einem Schließfach fast meine Eintrittskarte, ehe ich überhaupt in die Ausstellungsbereiche trat, und notierte mir eifrig die vielen Gemälde samt Künstler•innen, bevor das Museum schon wieder schloss. Ich hatte nämlich nur noch 1 1/2 Stunden Zeit, als ich ankam. Meine Eltern schickte ich derweil zum Shoppen.

Ansonsten gibt es Neuigkeiten bezüglich des Studiums: Es hat alles geklappt! Nach dem Zulassungsangebot für Angewandte Informatik sagte ich sofort zu, füllte den Immatrikulationsantrag aus, holte den Versicherungsschein von der Krankenkasse, überwies den Semesterbeitrag und bin nun offiziell immatrikuliert. Bereits in einer Woche fange ich mit Vorkursen in Mathe und Programmieren an und werde hoffentlich meine Wahl nicht bereuen. Tatsächlich freue ich mich schon irgendwie auf den Mathevorkurs. Dabei habe ich in abgesehen von einem kurzen Erfolgserlebnis in der Grundschule bei sämtlichen Matheolympiaden kläglich versagt, aber vielleicht fehlt es mir einfach, dieses ganze Wissen über einfachste Grundrechenregeln irgendwo anwenden zu können. Die letzten Abende schaute ich vor dem Schlafengehen noch YT-Videos von Loviscach, die ich jeder•m empfehlen kann, die•r noch Bedarf in seinen Mathekenntnissen hat.

Die kommende Woche werde ich nun mit Packen verbringen – auch wenn ich gar nicht weiß, ob wir überhaupt alles ins Auto bekommen. Dann folgen noch die wirklich letzten Male Hausaufgabenhilfe und natürlich auch kellnern. Kaum zu glauben, wie schnell 6 Monate rum sein können.

Abgesehen davon – fast vergessen – bin ich 20 geworden. Nachdem ich mich sonst all die Jahre weigerte, älter zu werden, nahm ich es dieses Jahr weitaus gelassener hin und war sogar bereits Monate zuvor der Meinung, schon 20 zu sein. Das Wochenende verbrachte ich mit 14 liebevollen Freund*innen und wahrscheinlich hatte ich noch nie so einen glücklichen Geburtstag.

Das schöne an dem Datum ist vor allem, dass mit dem Abschließen und Beginn eines Alters auch ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ob Eintritt in die Grundschule, aufs Gymnasium, ins neue Schuljahr, nach dem Abi, vor dem Studium – es ist ein guter Moment, um das Jahr kurz Resümee passieren zu lassen. Das habe ich gemacht. Und es war ein gutes Jahr.

Es ist April

Es ist April und zwischen dem letzten Beitrag und diesem sind fast drei Monate vergangen. In diesen drei Monaten ist so viel passiert, dass ich es nicht einmal schaffte, sie in meinem Tagebuch festzuhalten, obwohl ich es später wohl bereuen werde. Daher ein kurzer Abriss dieser Zeit:

Nach dem letzten Eintrag flogen wir nach Vietnam und Singapur.

Die zwei Wochen Urlaub mit meiner Familie, vor allem der erste Urlaub gemeinsam seit zehn Jahren, waren eindeutig zwei meiner liebsten Wochen in meinem bisherigen überschaubarem Leben. Insbesondere die Tage, die wir nur zu viert – Mama, Papa, M. und ich – verbrachten, waren so glückserfüllend, dass ich mir wünschte, diese Tage anhalten und bitte so verbleiben zu können. (ello)

Ich traf daraufhin spontan eine schwierige Entscheidung: mein FSJ vorzeitig zu beenden und meinen Eltern im Restaurant auszuhelfen. Februar verging schnell und ehe ich mich versah, brachte ich Kuchen mit zur Arbeit und verabschiedete mich von allen.

Zu Hause angekommen gleich zu Freunden gefahren, eine Pyjama-Party veranstaltet, also im kleinen, ofenbeheiztem Partyraum Tabu spielen und erzählen und gegen 6 Uhr morgens dann einschlafen. Wenige Stunden später gemeinsam gefrühstückt, den Freund zum Bahnhof gebracht und zum Geburtstag meiner Oma gefahren. Dann zur Arbeit, zur neuen Arbeit. Abends dann wieder Freunde getroffen und auf einen Geburtstag angestoßen, wenig später heimgefahren und ins Bett gefallen. Am Montag mit zwei Freundinnen nach Thüringen. Eigentlich wegen eines Arzttermins, aber wegen Semesterferien und den wenigen Tagen frei durch diesen Aufenthalt eine Freundin mitgenommen. Am Abend wieder in eine Bar, auf den gleichen Geburtstag angestoßen und gegen Mitternacht allein mit besagter Freundin nach Hause, während das Geburtstagskind erst gegen 7 heimkam, als ich den besagten (ersten) Arzttermin hatte. Am selben Tag noch mehrmals geschlafen und zwischendurch die nun ehemalige Arbeit kurz besucht und am Abend zu einem superinteressanten Vortrag über Dis_ability. Dann zur Wohnung und die restlichen Stunden mit Netflix und Pizza verbracht.
Am nächsten Tag besuchten wir die Gedenkstätte Buchenwald. Ich bin sehr froh, dass wir hinfuhren, L. Ich glaube, wenn man in diesem Land wohnt, dann sollte man, soweit man die Möglichkeiten hat, sich immer und immer wieder damit auseinandersetzen.
Schließlich, bevor L. wieder nach Hause fuhr, erkundeten wir die Stadt, in der ich 6 Monate lebte, ohne mehr als den Goetheplatz gesehen zu haben. Und wir aßen einen der besten Kuchen, die ich je aß.
Zu Hause mich über das AfD-Wahlprogramm geärgert (und zum ersten Mal mir ein Wahlprogramm intensiver angeschaut). Die Landtagswahlen verfolgt und jetzt zähle ich auf den Straße die Passanten bis 4 ab.
Nach Leipzig gefahren und ein wundervolles Wochenende mit Freunden verbracht. Auf der Buchmesse gewesen und als Andenken Laurie Pennys »Babys machen und andere Geschichten« (signiert) sowie eine geklau weiße Starbucks-Tasse mitgenommen. Wir haben 200 Karten Tabu verspielt.
Mit dem Freund wieder zurückgefahren und weil die gleichen und andere Freunde noch hier waren, bestanden die letzten Tage des Märzes aus Kneipenbesuchen mit und Hausbesuchen bei ihnen. Abende mit Freunden und dem Gefühl, dass auch nach fast einem ganzen Jahr noch alles ist wie früher und irgendwie sogar besser, intensiver.

Kaum zu glauben, dass jetzt wieder Abiprüfungen geschrieben werden, habe ich doch meine erst gefühlt letztens gemeistert. Mir fällt auch gerade dieser Traum von vor paar Tagen ein, da hatte ich das alles wirklich vor mir mit diesem Schwall an Stress- und Panikgefühlen wegen dieser Ungewissheit, was für Noten man denn bekomme. Bis ich dann aufwachte und mir einfiel, dass das alles ein Jahr her ist und ich die Noten längst hatte und sie weitaus besser waren, als die, die ich im Traum zu kriegen befürchtete. Was für ein Mist.

Wie es derzeit läuft? Mein Plan für Oktober steht. Ich warte eigentlich nur darauf, dass die Monate schnell vergehen und ich endlich anfangen kann, mich für alles zu bewerben. Derzeit ist mein Tagesrhythmus ein Traum, aber gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich im Prinzip derzeit wenig nützlich erweise.