170512

Vor wenigen Tagen erst habe ich »Thirteen Reasons Why« begonnen und wenige Stunden darauf auch wieder beendet. Früher habe ich Bücher so schnell gelesen, heute sind es eben Serien. Tatsächlich habe ich zu dieser keine Meinung. Soweit ich mitbekam, kursierten zwar viele Artikel dazu rum, aber ich klickte nirgendwo rauf, bekam die Diskussion um einen möglichen Werther-Effekt und weshalb sie Jugendlichen vielleicht doch vorbehalten werden sollte, nur am Rande mit. Der einzige Text, den ich mir dazu durchlas, war dieser und ich fand ihn reflektierend sowie nachvollziehbar.

Die Serie hätte wahrscheinlich eine ganz andere Wirkung, wäre ich etwas jünger. Mit 14 Jahren schaute ich »Skins« – in diesem Alter hätte die Serie bei mir ganz gut reingepasst. Ich kann mir gut vorstellen, wie ich noch tagelang benommen davon gewesen wäre, wie sehr ich mich in die Figuren hineinversetzt und sie auf eine Weise rezipiert hätte, die mir heute fern bleibt. Sprich, es hätte mich weitaus mehr mitgenommen als jetzt, wo ich nun zwei Jahre heil aus der Schule raus bin.

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Gestern Abend war ich bei einer Veranstaltung, in der es um die Verantwortlichkeit von Algorithmen ging. Möglicherweise werde ich mir den Vortrag noch einmal anschauen, sollte er online gestellt werden, denn ich hatte viel Input zu verarbeiten.

In den letzten Tage dachte ich in losen, unvollständigen Gedankengängen nochmal darüber nach, wie schwierig sich Vieles quantifizieren lässt, eine Entscheidung stets einen Entscheidungsprozess mit sich bringt, der zwar viel diffuser ist und weniger Eindeutigkeiten zulässt, dennoch besser die Komplexität von Korrelationen verschiedenster Sachverhalte aufzeigt.

Auch wenn ich bisher wenig programmierte, denke ich, dass Algorithmen, sobald sie in ihrer Anwendung in Berührung mit Menschen kommen, stets gesellschaftliche Strukturen abbilden werden. Letztlich sind sie Hilfsmittel des Menschen, basieren auf dessen Entscheidungen, welche Parameter benutzt werden, wie sich dies zu jenem verhalten soll, welcher Input verarbeitet wird.

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Ein riesiges Buffet, ein Saal voller Leute, die ich mag. Derzeit fahre ich wieder auf einer sehr philanthropischen Schiene und dachte darüber nach, wie absurd es ist, einen Anlass finden zu müssen, um all die Leute auf einem Haufen zu versammeln, die man gern hat, möglicherweise um sie auch mit neuen zu vernetzen. Ich würde gerne mal ein riesiges Fest feiern, vielleicht aber auch nur aufgrund des schier endlosen Essens, das dann übrig bliebe und ich mitnehmen könnte. Längere Zeit dann nicht mehr darüber nachdenken müssen, was heute gegessen wird. Wie schaffen das andere, sich jeden Tag für etwas zu entscheiden?

 

170503

Gerade stieß ich auf meinen ello-Account. Ich mag es, wie ich in unregelmäßigen Abständen, teils langen Pausen dazwischen, hin und wieder einen kleinen Text veröffentlichte. Sei es nur aus einer ganz banalen Situation heraus gewesen.

Gestern besuchte ich nach einem drei-Stunden-Modul L. Sie machte eine vegetarische Lasagne, wir aßen gemütlich auf der Couch und erzählten. Die Simpsons liefen nebenbei. Ich beschloss, obwohl ich am nächsten Tag um 8 wieder ein Modul hatte, doch noch ein paar Stunden länger zu bleiben. Gegen Mitternacht stieß M. dazu. Sie war zufällig in der Stadt und ich hatte sie lange nicht mehr gesehen. Wir legten uns nochmal kurz hin, bis uns halb 4 der Wecker aus dem Tiefschlaf riss. L. musste zum Flughafen und M. zum Hauptbahnhof. Draußen war es überraschend mild zu dieser Uhrzeit. Der lange Tunnel zur S-Bahnstation wirkte auf mich beruhigend. Aber ich verstehe, dass er einem Angst einflößen konnte. Bei meiner Haltestelle angekommen, stieg ich aus der stark beheizten S-Bahn aus, ging nach Hause, legte mich ins Bett und verschlief das 8-Uhr-Modul.

»Euthanasie: Mit Gas gegen ›leere Menschenhülsen‹« →

Mit Begriffen wie „Ballastexistenzen“ und „leere Menschenhülsen“ sprach man behinderten und psychisch kranken Menschen bereits damals ihr Menschsein ab. Kosten-Nutzen-Rechnungen wurden angestellt: Wer nicht arbeiten und der Gesellschaft im engen ökonomischen Sinne nutzen konnte, sollte auch nicht leben.

Jan Erik Schulte | Zeit Online, 1. März 2017

»The Heart of Whiteness: Ijeoma Oluo Interviews Rachel Dolezal, the White Woman Who Identifies as Black« →

Perhaps it really was that simple. I couldn’t escape Rachel Dolezal because I can’t escape white supremacy. And it is white supremacy that told an unhappy and outcast white woman that black identity was hers for the taking. It is white supremacy that told her that any black people who questioned her were obviously uneducated and unmotivated to rise to her level of wokeness. It is white supremacy that then elevated this display of privilege into the dominating conversation on black female identity in America. It is white supremacy that decided that it was worth a book deal, national news coverage, and yes—even this interview.

Ijeoma Oluo | The Stranger, 19 April 2017