27.12.18/Do

Worin ich mich verliebte.

Ich verliebte mich in meine Kaninchen. Felix & Flecki. Ich habe die beiden so tief und innig geliebt, wie ich sie mit diesem kleinen Körper damals nur lieben konnte.
Ich verliebte mich in Die Sims. In die Möglichkeiten, in die Simulation der Wirklichkeit. Bei Sims 2 in die Grafik, in die Annäherung der Wirklichkeit.
Ich verliebte mich in meine Fantasien, in meine Ausflüchte, in die Geschichten, die ich mir ausdachte.
Ich verliebte mich in die Community um Sims, in das produktive Schaffen außerhalb der Schule, in das Schreiben von Geschichten, das Konzipieren von statischen Szenen, in das Bilder bearbeiten.
Ich verliebte mich ins Erlernen, in die Erfolgserlebnisse und Ergebnisse. Ich verliebte mich ins Teilen von Wissen.
Ich verliebte mich ins Fotografieren, in das Einfangen von Augenblicken, um sie ins Dauerhafte zu überführen. Ich verliebte mich daraufhin in die ganzen Orte um das Haus herum, in unseren von Unkraut dicht bewucherten Garten, die ersten warmen Sonnenstrahlen, die auf das Grundstück schienen, das menschenleere Feld mit den Pferden, das Herumwandern und Entdecken von Bildern, Perspektiven, die es wert waren, eingefangen zu werden. Das Fahrradfahren an solche entlegeneren Orte. Die Nachmittage allein mit Fahrrad und Kamera, manchmal Musik. Das wortwörtliche Jagen nach Licht.
Ich verliebte mich in den Mond, in weite Felder, einsame Bäume am Straßenrand, an denen man stets mit 100 km/h vorbeifuhr, aber nie stehen blieb. Ich schaute immer nach draußen, auf der Lauer, etwas zu entdecken oder lediglich in der vorbeiziehenden Landschaft zu schwelgen. Immer einen Fluchtort daraus schaffend.
Auf Zugfahrten verliebte ich mich in das abwechselnde Relief. Wie das Tiefland sich zu Gebirgen erhob. Wie kleinste Häuser so abgelegen und einsam auf Höhen saßen, die wohl wenige Menschen auf sich nehmen wollten.
Ich verliebte mich in die Wendung, als plötzlich nach Jahren das Malen in der Kunstschule kein Abarbeiten war, sondern wirklich Erschaffen. Zwar meist immer noch ein Zusammenwürfeln von Motiven, aber ein gezielteres Auswählen von Pastellkreide, Acrylfarben.
Ich verliebte mich in die Lichter der Vorweihnachtszeit, in das gemütliche Dunkel, das durch die Laternen eher beruhigend, umgarnend statt furchteinflßend wirkte.
Ich verliebte mich neu ins Zeichnen, diesmal am Computer.
Ich verliebte mich in das Erledigen der Aufgaben des Schülerrats, in das Mitdenken, in das Organisieren, das Geschäftige, das Strukturieren.
Ich verliebte mich in mein Studium, begeistert davon, langsam zu verstehen, wie alles im Hintergrund funktionierte, wie sich Dinge plötzlich erklären ließen, wie sich Struktur durch das nebulöse Chaos in meinem Kopf hindurchzog.
Ich verliebte mich in Techno, in den tiefen, erschlagenden Bass, von der Musik aufgesogen zu werden, etwas zu fühlen, dessen Mächtigkeit nicht Worten zu beschreiben war.

Ich verliebte mich in all diese Dinge, aber lieben, halten konnte ich sie nicht.

Kommentare anzeigen