20180130

Ich denke, Hauptsache, ich habe bestanden. 4,0 vielleicht 3,7 oder 3,3. Ich habe irgendwas geschrieben, immer nur drumherum, nur drumherum geschrieben, mich den erwarteten Antworten nur angenähert, nie etwas auf den Punkt gebracht. Ich hab mich nach einer Klausur lange nicht mehr so schlecht gefühlt, aber ich habe immerhin was gelernt.

20180104

In den Ferien habe ich mal wieder durch meinen alten Blog gewühlt, der mittlerweile auf privat gestellt ist. Ich hab bereits damals nie regelmäßig geschrieben, nur manchmal, weil Gefühle, falls vorhanden, mal wieder rausmussten. Manches war problematisch, manches ganz süß. Es war auf jeden Fall ganz schön, Dokumentiertes wieder in Erinnerung zu rufen. Man muss natürlich aufpassen, sich nicht zu sehr darin zu verlieren, aber es hilft der eigenen Introspektion ganz gut, wenn man sieht, wie man sich über die letzten Jahre entwickelt hat. Deswegen dachte ich, dass ich hier mal wieder rumschwafeln könnte. Wozu bezahle ich hier schließlich eine Top-Level-Domain?

Die ganze Zeit hat mich einerseits das Layout abgehalten, hier reinzuschauen, andererseits gab es auch kein allzu großes Bedürfnis, mich in Länger mitzuteilen. Zudem hat es immer etwas Riskantes, Persönliches zu veröffentlichen. Aber da ich diesen Blog sowieso gerade nirgendwo mehr verlinkt habe, bin ich hier wieder etwas alleine.

Eigentlich wollte mich mal an ein eigenes Theme setzen – ein Plan, den ich schon damals verfolgte, aber nie die Ausdauer dazu hatte. Vielleicht stehen die Chancen dieses Mal besser, auch wenn ich mich erst (wieder) mal mit PHP und CSS auseinandersetzen muss. Tatsächlich helfen mir meine bisherigen Programmierkenntnisse dabei, das Ganze weitaus besser zu verstehen und vor allem auseinanderzunehmen.

Dieses Semester habe ich mich im Rahmen eines kleinen Studienprojekts ein wenig an JavaScript rangetastet. Ich bin immer noch überwältigt von der Menge an Frameworks und Libraries, die es mittlerweile gibt; überhaupt habe ich einen riesigen Respekt vor Webdevelopment.
Ansonsten wollte ich mich an Python ransetzen, auch wenn das derzeit etwas in den Hintergrund gerückt ist. Allerdings fällt es mir schon wesentlich leichter, Python zu erlernen, als es damals mit Java war. Die Konzepte sind eben recht ähnlich. Es ist halt wirklich so, als würde man eine neue Sprache der gleichen Sprachfamilie lernen und C ist dabei Latein.

Außerdem habe ich mich jetzt dazu entschlossen, alle Prüfungen im ersten Zeitraum zu schreiben. Ich weiß nicht, was ich mir damit antue (die erste Prüfung findet bereits in 3 Wochen statt), aber ich habe gerade noch weniger Motivation dafür, irgendwelche Prüfungen über die Semesterferien mit mir rumzuschleppen und daher: lieber knapp bestehen, als keine Ferien zu haben. Ich mag mein Studium sehr und gerade deswegen würde ich die Zeit dafür nutzen, kleine, eigene Projekte auszuarbeiten und mich unabhängig davon auszuprobieren. Es gibt einfach so viele interessante Bereiche, über die ich mehr erfahren möchte. Andererseits: Mal schauen, vielleicht mache ich auch einfach nichts, was irgendwie mit Informatik zu tun hat.

Im letzten Jahr habe ich drei Bücher gelesen. Alle im Januar, danach nur zwei angefangen. Das muss sich unbedingt ändern, da ich dennoch immer wieder neue Bücher dazu hole.

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich noch über Anderes schreiben wollte, aber das kommt dann wohl mit einem anderen Eintrag. Ist ja auch bereits um 2. (Ich hab bis vorhin noch an einem winzigen Bug gearbeitet, der mich bis an die Grenzen der Verzweiflung brachte und es stellte sich raus, dass ich vergaß, eine Variable zu initialisieren. Fehlersuche ist einfach sehr, sehr anstrengend und ich glaube, das ist die beste Therapie gegen meine cholerischen Ausbrüche. Muss man ja auch in Griff bekommen. Atmen.)

2017$ exit

Bis auf ein Jahr habe ich es bisher jedes Jahr seit 2011 geschafft, einen Jahresrückblick zu schreiben. Dieses Mal stehe ich etwas ratlos davor; weiß nicht, wie ich das Ganze strukturieren, überhaupt erzählen soll. Mir fällt es immer schwer, auf Befehl mich an Wichtiges zurückzuerinnern. Das Jahr war keineswegs schlecht – zumindest privat, aber ich bin noch nicht bereit, es zu evaluieren. Daher schreibe ich nun einfach das auf, was mir einfällt und klicke dann auf »Veröffentlichen«.

Dezember:
Ich sitze gerade zu Hause bei meinen Eltern im Wohnzimmer, habe gestern C. vom Bahnhof abgeholt, war die letzten Tage im Restaurant und habe versucht, was für’s Studium zu machen, habe nichts davon geschafft und fühle mich gerade auch ein wenig (grundlos allerdings) ausgelaugt. Wir haben gewichtelt. Ich konnte Freund·innen wiedersehen, die ich das letzte Mal im Sommer sah und es war alles wie immer und das war schön. An Weihnachten nahmen sich meine Eltern zwei Tage frei und ich genoss es, zwischen all meinen Verwandten zu sitzen, auch wenn wir nicht viel redeten, aber ich mag es, unter Menschen zu sein und mich dabei im Hintergrund zu halten. Mir reicht die bloße Anwesenheit von anderen bereits aus. Ich kam in einem übervollen IRE an und mit einem Koffer voller Geschenke. Ich bekam es dieses Jahr hin, rechtzeitig Geschenke zu kaufen, auch wenn ich eine Woche vorher deswegen noch absolut ratlos dastand. Eine Freundin kam mich besuchen, ich traf mich generell mit Leuten – und obwohl es sehr, sehr schön war, erschöpfte es mich auch irgendwie.

November, Oktober:
Es wurde dunkler und dunkler, ich war hauptsächlich mit meinem Studium beschäftigt. Meine Großmutter in Vietnam starb und für mich wirkt das Ganze noch immer etwas unwirklich, da ich fast zwei Jahre nicht mehr dort war.
Ab und zu traf ich Freund·innen bzw. bekam Besuch. War nach längerer Zeit wieder in Berlin (irgendwie mache ich es mir bei meinen Eltern immer sehr bequem und hab dann keine Lust mehr zurückzufahren). Habe es geschafft, nun eine Freundin regelmäßig zu treffen und überhaupt fällt mir auf, dass dieses Jahr von neuen Freund- und Bekanntschaften geprägt wurde bzw. auch von alten Freundschaften, die wieder aufgefrischt wurden.

Im September half ich bei meinen Eltern aus und lernte für eine Prüfung. Im August fuhren wir für eine Woche gemeinsam mit T.s Familie in den Urlaub. Im Juli hatte ich meine Prüfungen und mir fällt gerade auch auf, dass ich 2017 meine ersten Prüfungen seit langem wieder schrieb und sie waren entgegen meiner Erwartungen tatsächlich … gut? Generell bin ich immer noch äußerst zufrieden mit meiner Entscheidung für dieses Studium, auch wenn aktuell etwas die Luft raus ist. Ich bleibe auf jeden Fall dran und dass ich diese Gewissheit habe, sollte ich auf jeden Fall vermerken.

Je weiter ich im Jahr nun zurückgehe, desto weniger fällt mir gerade ein. Ich müsste Fotos durchschauen, um mich an bestimmte Ereignisse zu erinnern, aber mein Handy ist gerade aus.

Zurück bleibt ein okayes Gefühl. Wahrscheinlich neige ich einfach sehr zum Vergessen und habe gerade sehr viele Ereignisse unterschlagen (manche behalte ich auch für mich). Aber meiner Familie geht es ansonsten gut, C. geht es gut und meinen Freund·innen aktuell auch. Und das schätze ich sehr.

Butterstulle

Ich verdränge gerade, dass ich eine vermutlich simple Aufgabe zu Matrizenmultiplikation aus der Probeklausur nicht verstehe. Daher habe ich in der Zwischenzeit eine fiktive Kurzgeschichte geschrieben. Ich glaube, ich verstehe sie nicht.


Loderndes Feuer, geplünderte Drogerien. An der weißen Decke befanden sich jeweils an den Ecken Stuckelemente, deren Form ich nicht ganz beschreiben konnte.
Dunkelheit, laute Straßen, schrille Alarmanlagen. Stuck interessierte mich nicht.
Spiritus, ein Feuerzeug. Mir wäre er bei der Besichtigung auch kaum aufgefallen, hätte der Makler mich nicht darauf hingewiesen. Vermummte Menschen laufen umher. Die hohe Decke bot genug Platz, um mindestens ein Hochbett einzubauen.
Nicht-Vermummte machen Selfies. Bis heute hatte ich diesen Plan nicht umgesetzt.
Streichholzschachtel in der einen Hand. Ich starrte oft an die weiße Decke.
Es brennt, es brennt. Hurra, es brennt. Wenn ich nach Hause kam, legte ich mich meist zunächst hin, ehe ich mir was zu Essen bestellte. Destruktion. Zerstörungswut. Zum Kochen war ich nicht nur zu faul, vor allem hatte ich Angst vor dem Gasherd. Party-Randale. Ohne meinen Mitbewohner traute ich mich nicht, dieses Teil anzumachen. Ein Fernseher wird mit aller Wucht ins Feuer geworfen. Da er abends viel später nach Hause kam, bestellte ich mir öfter etwas. Ein Straßenschild wird mit aller Kraft umgetreten. Von Zuhause war ich es nicht gewohnt, mir Essen bringen zu lassen, sodass mir nicht bewusst war, Türgeld zu geben. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Als ich durch Zufall davon erfuhr, erschauderte ich. Wasserwerfer, Pfefferspray. Mein Nicht-Wissen brachte mir anscheinend so viel Antipathie ein, die ich im Nachhinein nachvollziehen, aber in den Momenten an der Tür nicht erklären konnte. Polizeiliches Pfefferspray misst bis zu 5,3 Millionen Scoville. Beschämt konnte ich die nächsten Tage nichts bestellen und ernährte mich von Butterstullen. 1000 mal schärfer als eine Jalapeño. Mangels Brot ergab sich jedoch bereits nach wenigen Tagen die Notwendigkeit, wieder einmal Essen liefern lassen zu müssen. Brennende Autos. Brennende Augen. Zitternd bestellte ich eine Pizza über die App. Polizeigewalt. Sie hassten mich, ich wusste es, aber ich hatte Hunger, auch wenn mir allmählich schlecht wurde, je mehr Zeit nach der Bestellbestätigung verging. Strukturelle Gewalt. Dem Lieferboten reichte ich schließlich ganz aufgeregt 10 €. Zum ersten Mal lächelte er, als er ging. Staatsgewalt. Ich fühlte mich gut. Um mehr als 10 € ärmer, aber das machte ja nichts. Nun ging es einem anderen armen Schuft ein bisschen besser als mir. Autaritismus. Auf meinem Bett schob ich die Decke beiseite, legte ein Handtuch und Zeitungspapier aufs Laken und schließlich die Pizzaschachtel darauf. Autoritismus. Der Käse zog lange, gelbe Fäden, ein wenig Öl tropfte auf die Schachtel, als ich ein fertig geschnittenes Stück entnahm. Autoritarismus. Ich hielt beim Abbeißen meine Hand darunter. Autos. Sie war noch sehr heiß, aber vor allem scharf. Die Herrschaft brennender Autos. Meine Augen fingen an zu tränen, ich schmiss die Pizza zurück in die Schachtel, atmete durch meinen vollen, offenen Mund. Sie war zu heiß, zu scharf. Nein, Schatz, unser Auto brennt da unten. Ich eilte in die Küche, spuckte den halbzerkauten Teig aus und spülte mit der kühlen H-Milch den Rest runter. Warum der rote Twingo? Meine Zunge fühlte sich beinahe taub an. Ich goss mir in eine Tasse den letzten halben Liter Milch ein und ging zurück in mein Zimmer. Wie sollen sie nun ohne Autos von einem Minijob zum anderen pendeln? Die Pizza schob ich ein wenig zur Seite, legte mich ins Bett und starrte die weiße Decke an. Reflexion struktureller Gewalt kauft mir bei Rewe was zu essen. Der Hunger war nun fast verdorben. Ich trank einen Schluck von der Milch. Das Pflegedienstauto haben sie auch angesteckt. Auf dem Boden lag die Fernbedienung, ich schaltete zu Pro7. Die Simpsons kamen. Soziale Arbeit muss privatisiert werden, damit sie auf dem freien Markt konkurrieren kann. Seit Jahren schaute ich sie. Loderndes Feuer, geplünderter Rewe. Obwohl meine Familienkonstellation eine ganz andere war, konnte ich mich mit diesen Figuren irgendwie identifizieren. Vollkasko zahlt nicht. Ich nutzte die dreißig Minuten am Abend, um wenigstens einmal ganz kurz nicht an meinen eigenen Alltag denken zu müssen. Entschädigt werden alle Opfer von Autogewalt. Homers Routine zwischen Kernkraftwerk, Moe’s Kneipe und den eigenen vier Wänden erschien eine angenehmere zu sein als meine. Entschädigt werden keine Opfer von Nazigewalt. Auf dem Weg zur Schule fuhr ich an Feldern und Plattenbauten vorbei, an einem großen Parkplatz mit einem Lidl und am Imbiss meiner Eltern. Linker Terror, das ist: Vandalismus, Sachbeschädigung. Auf dem Weg zur Schule kam ich jeden Tag an einer Gruppe Jugendlicher vorbei. Vergesst nicht eure Mitgliedskarte für den Schwarzen Block. Sie riefen mir immer etwas hinterher, doch mein Fahrrad war schneller und so hörte ich sie kaum. Rechter Terror, das ist: Menschen gefährden, Menschen töten. Ich wollte sie aber auch nicht verstehen. Wut. Angst. Verletzte. Keine Tote. Nach der Schule standen sie immer wieder an der gleichen Stelle und riefen mir etwas hinterher. Unsere Polizisten. Doch mein Fahrrad war schneller, ich hörte sie kaum. Wären gern zu Hause bei ihren Familien, Kindern. Als ich eines Tages auf dem Weg zur Schule war, fuhr ich vorbei an Feldern und Plattenbauten, an einem großen Parkplatz mit einem Lidl und dem abgebrannten Imbiss meiner Eltern. Das sind ja auch nur Menschen. Ein großer schwarzer Fleck machte sich breit, ich fuhr schnell davon. Zivilisten sind hingegen keine Menschen. Die Gruppe Jugendlicher stand nicht mehr an der gleichen Stelle. Schwer bewaffnete Randalierer. Ihre Munition sind scharfe Steine. Die Folge Simpsons war vorbei. Seit neustem wurde die zweite Folge durch The Big Bang Theory ersetzt. Da kommt auch kein SEK dagegen an. Ich schaltete auf Netflix um. Das Vermummungsverbot, das legitimiert. Eine 20-Minuten-Comedyserie. Verhältnismäßig unverhältnismäßig. Erneut versuchte ich mich an der Pizza. Lasst es präventiv eskalieren, entlang der Hamburger Linie. Sie war kalt. Augenzeugenberichte. Presse wurde verprügelt. Noch immer scharf, aber essbarer als vorhin. Macht doch Platz, damit die Polizisten ihre Arbeit machen können. Draußen fing es an zu regnen. Wenn die Polizei ihre Arbeit macht, dürfen andere nicht ihre Arbeit machen. Ich dachte an den Lieferboten. Alles Heldentaten. Ich hoffte für ihn, dass nicht noch mehr Menschen Pizza bestellten. Verprügelte Demonstranten. Er war mit dem Fahrrad gekommen. Verprügelte Unbeteiligte. Draußen knallte es. Dafür fordern wir, die Polizei, Anerkennung und Respekt. Ich dachte an wasserfeste Liefer-Roboter. Versammlungsrecht für alle Autos, die es nicht in Garagen geschafft haben. Mit ausfahrenden Beinen, damit sie Treppen steigen konnten. German efficiency. Jetzt räumt Hamburg die Schanze auf. So sauber war es lange nicht mehr. Und mit besseren Sensoren als Roombas.