Es ist fast Ende Juni

Nachdem ich im April mit der Hausaufgabenhilfe anfing, integrierte sich diese zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Woche um Woche, von Dienstag bis Donnerstag, 13-15 Uhr. Mittlerweile neigt sie sich einem Ende zu, da nächste Woche die Sommerferien beginnen. Ansonsten fuhr ich im Mai dreimal nach Berlin, um mir potenzielle Hochschulen anzuschauen. Und weil Kati so schön vom Scheitern schrieb, weihe ich euch nun doch in meine Pläne ein, auch wenn es schiefgehen könnte.

Wichtig ist, dass wir dringend eine Kultur des Scheiterns etablieren sollten, in der Rückschläge kein Tabu sind, sondern ein Gesprächsthema, das nicht mit Scham behaftet ist.

Kati | kleinerdrei.org, 20. Juni 2016

Auch wenn es bei mir erst einmal lediglich um die Angst vorm Scheitern geht, überlegte ich doch etwas länger, hiervon zu berichten. Ich möchte nämlich Informatik studieren. Dieser Plan geht mir schon seit mindestens zwei Jahren durch den Kopf, obwohl ich weder programmiere noch Informatik als Unterrichtsfach hatte. Im Grunde würde ich schon demütig behaupten, dass ich keine Ahnung habe. Wenn Leute mich fragen, was ich nun studieren will und ich „Informatik“ antworte, schauen sie mich meist überrascht an. Leute, die mich etwas kennen, entgegnen mir, dass sie damit nicht gerechnet hätten. Das kann ich verstehen, zeigte ich in der Vergangenheit schließlich keinerlei Ambitionen in dieser Richtung. Ebenso ist mir bewusst, dass Informatik sehr, sehr hart sein kann. Dass ich in der Schule mit Mathe zu Teilen sehr gut klarkam, muss nichts bedeuten. Ich möchte es aber zumindest versucht haben. Es ist mir nämlich nahezu unbegreiflich, wie ich den Großteil meines Lebens vor Computern verbracht habe, ohne sie wirklich zu verstehen. Und ich möchte mich mit diesem Feld beschäftigen, weil es eines ist, welches fast unberührt von mir blieb, obwohl es mich interessiert, und ebenso viel Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Einer der wichtigsten Gründe für meine Wahl ist jedoch ein ganz anderer: Ich glaube, dass ich mit einem Informatikstudium lerntechnisch besser zurechtkomme als mit einem anderen. So sehr mich Geistes- und Gesellschaftswissenschaften auch interessieren, komme ich einfach nicht mit dem Berg an Texten klar. Ob es nur um das Lesen von seitenlangen Texten, das Schreiben von Hausarbeiten oder um das (meist stupide) Auswendiglernen geht – bereits in der Schule quälte ich mich damit rum, verlor die Lust am Lernen von Neuem und war schlicht und einfach überfordert mit zu kurzen Deadlines für mein Auffassungsvermögen kombiniert mit Faulheit und Prokrastination. Ähnliches wird mir sicherlich auch in einem Informatikstudium begegnen, allerdings nicht in solchem Umfang. Denn Verstehen lernen mache ich wiederum sehr gerne. Ich liebe es, mich hinzusetzen und zu überlegen, wie ich einen Sachverhalt für mich logisch nachvollziehen kann. Ich liebe es, stundenlang über ein und dasselbe Problem nachzudenken oder vielmehr: Ich liebe das Gefühl, eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben, egal wie klein und banal es letztendlich war und ich dann facepalmend schließlich da sitze. Konzepte, Strukturen und Systeme faszinieren mich und ich brauche die Anwendung dieser Dinge. Schlussendlich glaube ich eben, das alles eher in einem Informatikstudium wiederzufinden. Es wird hart werden, erst recht weil ich nicht programmieren kann und dieses Verstehenlernen teilweise schwerer ist als es auswendig zu lernen, aber ich habe das Gefühl, einen größeren Mehrwert daraus schöpfen zu können. Das ist mein derzeitiger Stand. Die Bewerbungen habe ich gleich am 1. Juni kurz nach Mitternacht rausgeschickt, mein Favorit wäre die HTW Berlin mit Angewandter Informatik, da ich gerne praxisorientiert lernen würde, aber mal schauen, ob es was wird. Mein Schnitt sollte zumindest dann für das Nachrückverfahren ausreichen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Ansonsten bewarb ich mich ebenso für Wirtschaftsinformatik, Internationale Medieninformatik (beides ebenfalls an der HTW Berlin) und Informatik an der Humboldt-Universität. Sollte alles nicht klappen, kann ich mich noch immer für Informatik an der Freien Universität einschreiben.

Sollten die Informatik und ich keine Freunde werden, bleibt mir noch mein Plan B: Bildungs- und Erziehungswissenschaften, wo sich dann all die Punkte wiederfinden, die ich oben aufzählte. Da muss ich dann wohl durch, wenn sich nichts anderes ergibt. Angesichts meines Interesses an der Bildungspolitik würde ich es so oder so nämlich gerne noch danach™ studieren.

Der Juni zeichnete sich ansonsten dadurch aus, dass einerseits meine Haare plötzlich wieder kurz sind (im Sinne von kürzer als schulterlang) und ich eine Wohnung habe. Letzteres ging so unglaublich schnell und ich hatte einfach unfassbar viel Glück und Pivilegien dabei. Der Mietvertrag beginnt schon nächsten Juli, aber da muss ich finanziell durch. Immerhin muss ich nicht im August, wenn die Zulassungsbescheide erst verschickt werden, auf dem Wohnungsmarkt mit allen anderen Studienbeginnern konkurrieren. Und das ist einfach ein unfassbares Privileg.