Es ist (wieder) fast Ende Juni

Es ist (wieder) fast Ende Juni und ich habe sehr lange keinen Blogpost mehr in dieser Art geschrieben. Aber mir fiel ein, dass dieser Eintrag nun ein Jahr her ist und ich vielleicht doch ein paar Worte darüber verlieren sollte (vielleicht hilft es dem einen oder anderen).

Ich bin immer noch unglaublich zufrieden mit meiner Wahl und bereue es kein bisschen, dieses Studium angefangen zu haben. Im ersten Monat war ich komplett im Flow. Ich war absolut begeistert von all dem Input, der mir nun nach und nach die Welt erklärte, in der ich schon so lange agierte, aber nie verstand, wie sie eigentlich funktioniert. Es hat sich zwar wenig daran geändert, dass dennoch das Interesse verblieb, mein Wissen zusätzlich um Themenfelder anderer Natur erweitern zu wollen (Warum kann eins nicht ewig und am besten alles auf einmal studieren?), aber ich denke, dass ich zurzeit keinen besseren Studiengang hätte finden können. Natürlich macht es nicht 100% der Zeit 100% so viel Spaß, an einigen Tagen – wie jetzt beispielsweise – würde ich am liebsten nichts tun, es ist jedoch die angenehmste Art von Lernen, die ich mir »antun« konnte.

Obwohl ich mit Vorfreude auf Mathe ins Studium hineinging, ist es ironischerweise das, was mich gerade am meisten nervt. Vieles lag vor allem an mir, da ich mich im letzten Semester nicht dazu aufraffen konnte, mich wesentlich intensiver damit auseinanderzusetzen, und einfach keine Lerntechnik fand, mit der es mir leichter fiel, die Themen für mich aufzubereiten und schließlich zu verinnerlichen. Was mich Mathe letztlich verstehen lässt, ist das Durchführen von Aufgaben – umso hilfloser fühlte ich mich daher, aus den Skripten keinerlei Ansatz dafür zu finden. Nach dem Binge-Watching zahlreicher Mathetutorials hatte ich irgendwann eine Reizüberflutung, sodass ich es letztlich aufgab und auf das nächste Semester bei einer∗m anderen Dozierenden hoffte. Dafür lief es in den anderen Modulen wesentlich besser. »Programmierung I« mauserte sich schnell zu meiner Lieblingsveranstaltung und obwohl ich bis September letzten Jahres quasi noch nie programmierte, schloss ich es schließlich mit 1,3 ab. Die restlichen Fächer (bis auf Mathe, das schreib ich erst dieses Semester) verhielten sich überraschenderweise alle in der Nähe. Stolz machte mich vor allem die 1,3 in »Netzwerke«, weil ich in der Vorlesung kaum etwas verstand. Andrew S. Tanenbaums »Computernetzwerke« (Pearson Studium, 5. Auflage) sei Dank also, dass ich letztlich doch nicht ganz so ahnungslos rausging. (Sehr zu empfehlendes Buch, wenn ihr mal in einer ähnlichen Lage stecken solltet.) Insgesamt ein ziemlich bestätigendes Semester, nicht vollkommen falsch gelegen zu haben, auch wenn keine der Noten davon in meine Gesamtnote einfließen wird (Regelung für das erste Fachsemester bei uns), sodass der alleinige Zweck dieser Noten nun darin liegt, mich dieses Semester vollkommen unter Druck zu setzen, weil ich nun selbstverständlich an diesen »Erfolg« anknüpfen will, aber es offensichtlich aufgrund meines bisherigen Aufwandes dafür nicht schaffen werde. Ugh.

Letztlich bin ich aber ziemlich froh, dass ich mir für eine FH entschied. Gerade die Flexibilität im Gegensatz zu den Berliner Unis (nirgendwo Anwesenheitspflicht, Nicht-Antreten bei Prüfung wird nicht als Versuch gewertet) und den noch leicht verschulten Unterricht (keine reine Vorlesung) schätze ich hier sehr und statt komischen Papierausweisen haben wir richtige Karten, die das Semesterticket, den Bibliotheksausweis, die Kopierkarte und die Mensakarte in einem hat (und wenn eins frühzeitig das Ticket validiert, funktionieren auch die Automaten), haha. Über das fachliche Niveau im Vergleich zur Uni lässt sich sicher streiten, aber ich gebe mich ziemlich zufrieden damit, dass wir auf die Praxis getrimmt werden und somit stofflich nur auf das Wichtigste reduziert wird. Theoriefeindlichkeit will ich damit jedoch auf keinen Fall frönen, nur mag ich es, allein durch den Fokus auf die konkrete Programmierung, die an den Unis bestenfalls in zwei (oftmals nur einem) Modulen vorkommt, einen sichtbaren Lernerfolg ausmachen zu können. Je nachdem wie die nächsten Jahre läuft, wird es vielleicht im Master (wenn überhaupt) theoretischer, woher auch mein Wunsch rührte, Mathe besser zu verstehen (und es dieses Semester einfach zu wiederholen). Aber erst mal schauen.

Apropos: Was eins irgendwie selten gesagt wird, wenn eins mit Programmieren anfangen will: Sich erst mal in dieses »Denken« aus Bedingungen und Schleifen reinzufinden, kann dauern, aber irgendwann ist es drin. Ah, und verständlich kommentieren nicht vergessen!

Es ist fast Ende Juni

Nachdem ich im April mit der Hausaufgabenhilfe anfing, integrierte sich diese zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Woche um Woche, von Dienstag bis Donnerstag, 13-15 Uhr. Mittlerweile neigt sie sich einem Ende zu, da nächste Woche die Sommerferien beginnen. Ansonsten fuhr ich im Mai dreimal nach Berlin, um mir potenzielle Hochschulen anzuschauen. Und weil Kati so schön vom Scheitern schrieb, weihe ich euch nun doch in meine Pläne ein, auch wenn es schiefgehen könnte.

Wichtig ist, dass wir dringend eine Kultur des Scheiterns etablieren sollten, in der Rückschläge kein Tabu sind, sondern ein Gesprächsthema, das nicht mit Scham behaftet ist.

Kati | kleinerdrei.org, 20. Juni 2016

Auch wenn es bei mir erst einmal lediglich um die Angst vorm Scheitern geht, überlegte ich doch etwas länger, hiervon zu berichten. Ich möchte nämlich Informatik studieren. Dieser Plan geht mir schon seit mindestens zwei Jahren durch den Kopf, obwohl ich weder programmiere noch Informatik als Unterrichtsfach hatte. Im Grunde würde ich schon demütig behaupten, dass ich keine Ahnung habe. Wenn Leute mich fragen, was ich nun studieren will und ich „Informatik“ antworte, schauen sie mich meist überrascht an. Leute, die mich etwas kennen, entgegnen mir, dass sie damit nicht gerechnet hätten. Das kann ich verstehen, zeigte ich in der Vergangenheit schließlich keinerlei Ambitionen in dieser Richtung. Ebenso ist mir bewusst, dass Informatik sehr, sehr hart sein kann. Dass ich in der Schule mit Mathe zu Teilen sehr gut klarkam, muss nichts bedeuten. Ich möchte es aber zumindest versucht haben. Es ist mir nämlich nahezu unbegreiflich, wie ich den Großteil meines Lebens vor Computern verbracht habe, ohne sie wirklich zu verstehen. Und ich möchte mich mit diesem Feld beschäftigen, weil es eines ist, welches fast unberührt von mir blieb, obwohl es mich interessiert, und ebenso viel Einfluss auf unsere Gesellschaft hat. Einer der wichtigsten Gründe für meine Wahl ist jedoch ein ganz anderer: Ich glaube, dass ich mit einem Informatikstudium lerntechnisch besser zurechtkomme als mit einem anderen. So sehr mich Geistes- und Gesellschaftswissenschaften auch interessieren, komme ich einfach nicht mit dem Berg an Texten klar. Ob es nur um das Lesen von seitenlangen Texten, das Schreiben von Hausarbeiten oder um das (meist stupide) Auswendiglernen geht – bereits in der Schule quälte ich mich damit rum, verlor die Lust am Lernen von Neuem und war schlicht und einfach überfordert mit zu kurzen Deadlines für mein Auffassungsvermögen kombiniert mit Faulheit und Prokrastination. Ähnliches wird mir sicherlich auch in einem Informatikstudium begegnen, allerdings nicht in solchem Umfang. Denn Verstehen lernen mache ich wiederum sehr gerne. Ich liebe es, mich hinzusetzen und zu überlegen, wie ich einen Sachverhalt für mich logisch nachvollziehen kann. Ich liebe es, stundenlang über ein und dasselbe Problem nachzudenken oder vielmehr: Ich liebe das Gefühl, eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben, egal wie klein und banal es letztendlich war und ich dann facepalmend schließlich da sitze. Konzepte, Strukturen und Systeme faszinieren mich und ich brauche die Anwendung dieser Dinge. Schlussendlich glaube ich eben, das alles eher in einem Informatikstudium wiederzufinden. Es wird hart werden, erst recht weil ich nicht programmieren kann und dieses Verstehenlernen teilweise schwerer ist als es auswendig zu lernen, aber ich habe das Gefühl, einen größeren Mehrwert daraus schöpfen zu können. Das ist mein derzeitiger Stand. Die Bewerbungen habe ich gleich am 1. Juni kurz nach Mitternacht rausgeschickt, mein Favorit wäre die HTW Berlin mit Angewandter Informatik, da ich gerne praxisorientiert lernen würde, aber mal schauen, ob es was wird. Mein Schnitt sollte zumindest dann für das Nachrückverfahren ausreichen, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Ansonsten bewarb ich mich ebenso für Wirtschaftsinformatik, Internationale Medieninformatik (beides ebenfalls an der HTW Berlin) und Informatik an der Humboldt-Universität. Sollte alles nicht klappen, kann ich mich noch immer für Informatik an der Freien Universität einschreiben.

Sollten die Informatik und ich keine Freunde werden, bleibt mir noch mein Plan B: Bildungs- und Erziehungswissenschaften, wo sich dann all die Punkte wiederfinden, die ich oben aufzählte. Da muss ich dann wohl durch, wenn sich nichts anderes ergibt. Angesichts meines Interesses an der Bildungspolitik würde ich es so oder so nämlich gerne noch danach™ studieren.

Der Juni zeichnete sich ansonsten dadurch aus, dass einerseits meine Haare plötzlich wieder kurz sind (im Sinne von kürzer als schulterlang) und ich eine Wohnung habe. Letzteres ging so unglaublich schnell und ich hatte einfach unfassbar viel Glück und Pivilegien dabei. Der Mietvertrag beginnt schon nächsten Juli, aber da muss ich finanziell durch. Immerhin muss ich nicht im August, wenn die Zulassungsbescheide erst verschickt werden, auf dem Wohnungsmarkt mit allen anderen Studienbeginnern konkurrieren. Und das ist einfach ein unfassbares Privileg.