Teambuilding für alle

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Ich habe noch einmal nachgeschaut: Wir waren wirklich sehr, sehr weit im Süden Thüringens. Zumindest von Erfurt aus betrachtet. Und eher im Südwesten. Ein bisschen westlicher und wir wären im Biosphärenreservat gelandet. Es gab immerhin Schafe. Und viel Relief, das ist man als Sachsen-Anhalterin ja gar nicht gewohnt, wenn man aus dem Flachland kommt. Wer jedenfalls ein FSJ Kultur macht, ist auch dazu verpflichtet, an sogenannten Bildungsseminaren teilzunehmen. Letzte Woche war mein erstes und dauerte sechs Tage. Mit mir vorher fast völlig unbekannten 40 weiteren Freiwilligen ging es ins ehemalige fränkische Gebiet. Es gab Kleingruppenarbeit, Workshops und ein selbstorganisiertes Fest. Letzteres war überraschend gut.

Es hat schon etwas Komisches mit Fremden sechs Tage auf engem Raum zusammenzuleben. Wirklich Anschluss an die Zivilisation hatte man nicht. Netz gab es kaum und das Haus, in dem wir wohnten, war abseits des Dorfes, zu dem es gehört. Wir waren also wirklich nur unter uns. Dabei habe ich viel über mich und meinen Umgang mit Mitmenschen gelernt: Ob ich jemals neue Freunde finde, bleibt fraglich. Ich mag Menschen sehr gerne, ich denke gerne über sie nach, aber in Kontakt mit ihnen zu treten, fällt mir schwer, sobald es auf Eigeninitiative ankommt. Ein richtiges Gespräch aufzubauen, bereitet mir beispielsweise einige Schwierigkeiten. Es ist weniger der Anfang als die Fortführung dessen, was mich daran zweifeln lässt, überhaupt neue Leute kennenlernen zu können. Ich verliere einfach schnell das Interesse daran, ein Gespräch mit jemandem fortzusetzen. Ich könnte mir Fragen überlegen, interagieren, aber selten fällt mir irgendetwas dazu ein. Ich habe mich zu sehr daran gewöhnt, einfach nein zu sagen, zu denken. Nein. Ich könnte, aber muss ich? Ich muss nicht. Ich belasse es bei Status quo. Und obwohl mich die Menschen interessieren, versuche ich anscheinend, alles beim Alten zu belassen, keine neuen Menschen in mein Leben eintreten zu lassen.

Es ist nicht immer so. Zum Glück. Ich verspüre nur phasenweise diese selbsthergerichtete soziale Isolation. Aber es ist schade, dass mir so viele interessante Menschen durch die Lappen gehen, nur weil ich zwischenmenschlichen Interaktionen gerade abgeneigt bin.

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